Gripsholm

Liebe/Historie, Deutschland 2000

Im Jahr 1931 schreibt der Berliner Journalist und Schriftsteller Kurt Tucholsky in einem Artikel „Soldaten sind Mörder“. Im Jahr darauf reicht die Reichswehr deshalb eine Klage gegen ihn ein. Sein Verleger ist besorgt, weil der respektlose Autor, den er sehr schätzt, aus seiner politischen Haltung keinen Hehl macht und dadurch immer stärker mit der Obrigkeit in Konflikt gerät. Er rät Tucholsky, die bevorstehenden Sommerferien zu nutzen, um eine leichte Liebesgeschichte zu Papier zu bringen. Motive aus Kurt Tucholskys Roman "Schloss Gripsholm" werden hier mit Elementen seiner Biografie vermischt und auf das Jahr 1932 konzentriert. Tucholsky (1890-1935) zieht sich mit seiner geliebten "Prinzessin" Lydia aus dem zunehmend bedrohlichen Berliner Alltag nach Schweden in den Sommerurlaub zurück. Als das Paar Besuch von der Nachtclub-Sängerin Billie und dem Flieger Karlchen erhält, wechselt die Stimmung von anfänglich erotischem Überschwang zu politischer Düsternis und kulminiert in einem gefährlichen Fliegerduell. Am Ende steht Tucholskys Entschluss, nicht nach Deutschland zurückzukehren. «Rheinsberg, ein Bilderbuch für Verliebte», 1912 veröffentlicht, war mit 24 Seiten gewissermaßen die Skizze, ein Vorentwurf für das spätere «Schloss Gripsholm», noch kaum durchtränkt von der Zeit: Es gibt noch Hoffnung, dass sich das Jahrhundert zum guten wenden wird. Erster und Zweiter Weltkrieg stehen noch bevor, werden noch nicht mal erahnt. Als «Schloss Gripsholm» erschien, spielte die gedankliche Übertragung von Angst im Heim und Angst daheim sowohl für den Autor wie auch für die geneigte Leserin, den geneigten Leser. Tucholskys Bücher wurden bald öffent­lich verbrannt – auch wenn er das eher seinen politischen Kommentaren zu «danken» hatte. In der Version von Xavier Koller wird ein kleines Blumenmädchen schon in den ersten ­Minuten gewaltsam aus dem Berliner Nachtklub verdrängt – ihr Judenstern fällt Tucholsky vor die Füße... "Oscar"-Preisträger Xavier Koller hat die Dreiecksgeschichte sorgfältig inszeniert und in den Hauptrollen perfekt besetzt. Der Film zeugt weniger von den Lebensfreuden des Dichters, als vielmehr von seiner zunehmenden Verzweiflung über Deutschland und den deutschen Nationalstolz. Mit seinen pointierten Dialogen wird er dem streitbaren Schriftsteller, Moralisten und Pazifisten auch auf der sprachlichen Ebene gerecht.
98 Min.
HD
Ab 12 Jahren
Sprache:
Deutsch

Weitere Informationen

Drehbuch:

Stefan Kolditz

Vorlage:

Kurt Tucholsky (Motive der Erzählung "Schloss Gripsholm")

Kamera:

Pio Corradi

Besetzung:

Ulrich Noethen (Kurt)

Heike Makatsch (Prinzessin)

Jasmin Tabatabai (Billie)

Inger Nilsson (Frau Andersson)

Marcus Thomas (Karlchen)

Horst Krause (Generalkonsul)

Sara Föttinger (Ada)

Anette Felberq (Frau Adriani)

Gerlinde Klug (Stumme Nichte)

Katharina Blaschke (Hagere Nichte)

Sonstiges:

Kol Simcha (Arrangements, Liedkompositionen)

Kurt Tucholsky (Liedtexte)

Originaltitel:

Gripsholm

Originalsprache:

Deutsch

Format:

16:9 HD, Farbe

Altersfreigabe:

Ab 12 Jahren

Sprache:

Deutsch